Vorweihnachtliche Hilfsbereitschaft

Gestern habe ich mir meine Hunde geschnappt und bin nach Recklinghausen in die Stadt gefahren. Ich hatte kein Ziel, wollte nur nicht zu Hause sein, also sind wir einfach durch die Innenstadt gebummelt. Ich mache sowas ja eher selten, da ich doch zu den von der Couch-aus-Shoppern gehöre und Kleidung bei mir ja doch fast ausschließlich selbst hergestellt wird. 

Ich lief also ziellos durch die Stadt und habe einfach ein wenig vorweihnachtliche Stimmung eingesaugt. Da man mit Hunden dabei ja doch sehr viel Aufmerksamkeit auf andere Hunde richtet, fiel mir ein Obdachloser mit Hund auf, der am Rand vom Weihnachtsmarkt saß und bettelte. Wenig später sah ich noch einen mit seinem Hund und in einer einsamen Seitengasse noch einen der ganz alleine seinen Becher hoch hielt.

Zu meinen Studienzeiten in Essen sind mir ständig Obdachlose begegnet, sie taten mir immer leid, doch wusste ich nie, was ich tun sollte. Geld geben wollte ich nie, da ich keine Alkohol- oder Drogensucht unterstütze wollte. Eine Brötchentüte hat man selten dabei. Und somit habe ich wie die meisten immer weggesehen, aus Hilflosigkeit, aus Bequemlichkeit, aus Ideenlosigkeit…

Da sich mein Leben in den folgenden Jahren immer weiter weg von den größeren Städten entwickelte und sich ja auch mein Shoppingverhalten änderte, dachte ich nicht weiter drüber nach. Und tatsächlich gibt es hier in meiner Heimatstadt Marl keine Obdachlose, die man wirklich bewusst wahrnimmt. 

Wann immer ich dann allerdings doch mal einen sah, hatte ich den Wunsch zu helfen, jedoch mit materiellen Dingen, nicht mit Geld. So reifte der Gedanke heran eine Tüte zu packen, diese sollte gefüllt sein mit Decke, Kleidung und Nahrung.

Der einzige Haken an der Sache, um sie wirklich umzusetzen: sowas schleppt man nicht immer mit sich rum und im Vorfeld daran denken tut man auch nicht, wenn man den bedürftigen Menschen so selten begegnet, dass man sie nicht vor Augen hat.

Gestern war es dann soweit. Ich sah die Menschen und da ich ohne Ziel und ohne Plan durch die Stadt bummelte und Zeit hatte, habe ich beschlossen diese zu nutzen und zu handeln. Ich bin also mit den Hunden zurück zum Auto und losgefahren. Erst wollte ich Fleecedecken holen, doch in dem Laden wo wir waren gab es ausnahmsweise mal keine, deshalb sind es Socken geworden. Ich habe mich entscheiden 4 Paar für 4 Pakete zu kaufen. 

Als ich zu Hause war, habe ich meiner Familie davon erzählt und Rahja war direkt begeistert von der Idee zu helfen und wir sind zum Supermarkt gelaufen und haben noch Lebensmittel geholt. Für Vitamine haben wir Clementinen und Bananen geholt. Weil Weihnachten vor der Tür steht noch Weihnachtsgebäck und noch etwas zu trinken. Und für den Fall, dass wieder Hunde dabei sind auch noch ein paar Leckerlies für die Vierbeiner. 


Rahja hat die Tüten zu Hause mit FROHE WEIHNACHTEN und ein paar Stickern verziert und so wurde es zu einem Familienprojekt die Pakete für die Obdachlosen zu packen.


Besonders gefreut hat es mich, wie sehr auch die achtjährige dabei geholfen hat und den Gedanken an Hilfsbereitschaft teilt. 


Wir hatten uns vorgenommen heute, am ersten Advent, wieder nach Recklinghausen zu fahren und dort die Pakete zu verteilen. Da auch noch verkaufsoffener Sonntag war, war ziemlich viel los in der Stadt und die Chance, die Pakete auch wirklich verteilen zu können (leider) sehr hoch. 

Nun ja, wenn man sucht, dann findet man nicht. So sind wir Kreuz und quer durch die Stadt gelaufen auf der Suche nach Menschen, den wir eine Freude bereiten wollten. Karsten ist die ganze Zeit geduldig mit uns gelaufen und hat die schweren Tüten mit den Paketen getragen. 

Mit der Zeit haben wir dann doch die Menschen gefunden nach denen wir Ausschau gehalten haben. Rahja war sehr mutig und hat die Pakete mit einem Weihnachtsgruß überreicht. Es war schön zu sehen, wie sehr sich das Kind über den Dank der Menschen gefreut hat. Einer dieser Menschen hat mich besonders berührt, während die anderen ihr Paket mit einem Dank entgegen genommen haben und an die Seite gelegt haben, hat dieser Mann sein Paket direkt geöffnet und die Banane gleich gegessen. Dieses Gefühl zu wissen, dass man einen Menschen mit einer Banane glücklich gemacht hat ist unbeschreiblich!

Versucht es doch auch einfach. Es muss nicht viel kosten, es muss nicht viel sein, aber einfach mal einen Tag bewusst durch die Stadt laufen und vorher beim Bäcker halten. Einfach ein Lächeln zaubern. Und wenn dann dieser eine Mensch dabei ist, der dann direkt in das Brötchen oder die Banane beißt, dann weiß man, wofür man es getan hat!


In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schöne und besinnliche Weihnachtszeit!